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Schuhgröße messen: Die Fußlänge als verlässliche Grundlage

Schuhgröße messen: Die Fußlänge als verlässliche Grundlage

Die Schuhgröße gilt als feste Größe, die sich einmal im Leben herausstellt und danach nie wieder ändert. Genau das ist der Grund, warum viele Menschen in zu kleinen Schuhen laufen. Füße verändern sich über die Jahre, und zwischen Herstellern liegen bis zu zwei Nummern Unterschied bei identischer Angabe. Verlässlich ist deshalb nur die tatsächliche Fußlänge in Millimetern. Dieser Ratgeber zeigt, wie sie sich zu Hause bestimmen lässt und was danach damit anzufangen ist.

Warum die Schuhgröße allein nichts aussagt

Die europäische Größenangabe basiert auf dem Pariser Stich, einer historischen Einheit von zwei Dritteln eines Zentimeters. Sie beschreibt allerdings nicht die Fußlänge, gemeint ist die Länge des Leistens, also der Form, über die der Schuh gefertigt wird. Wie viel Zugabe ein Hersteller einrechnet, bleibt ihm überlassen. Genau daraus entstehen die Unterschiede zwischen Marken bei gleicher Nummer, die im Handel regelmäßig für Verwirrung sorgen. Zwei Paare derselben Nummer können sich deutlich unterschiedlich anfühlen. Bei Sportschuhen fällt der Unterschied besonders auf.

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Hinzu kommt, dass sich Füße im Lauf des Lebens verändern. Das Bindegewebe lässt nach, das Längsgewölbe senkt sich, und der Fuß wird länger und breiter. Schwangerschaften, Gewichtsveränderungen und langes Stehen im Beruf verstärken diesen Vorgang. Eine Nummer mehr als in jungen Jahren ist im mittleren Alter völlig normal, weshalb sich eine Neubestimmung alle paar Jahre lohnt und nicht nur beim Kauf teurer Schuhe. Auch nach längerer Bettlägerigkeit verändert sich der Fuß spürbar.

Der dritte Punkt betrifft die Tageszeit. Füße schwellen im Tagesverlauf an, besonders bei Wärme und langem Stehen, und können am Abend spürbar größer sein als morgens. Eine Messung am Morgen führt regelmäßig zu zu engen Schuhen. Die Messung gehört deshalb in den späten Nachmittag oder Abend, was auch für die Anprobe im Geschäft gilt und einen der häufigsten Fehler beim Schuhkauf vermeidet. Der Unterschied kann bis zu einer halben Größe betragen. An heißen Sommertagen ist er noch etwas größer.

Die Fußlänge zu Hause bestimmen

Benötigt werden ein Blatt Papier, ein Stift, ein Lineal und eine gerade Wand. Das Papier wird auf einen harten Boden gelegt und mit der kurzen Kante an die Wand geschoben, danach stellt sich die Person mit der Ferse an die Wand auf das Blatt. Wichtig ist volles Körpergewicht auf dem Fuß. Im Stehen ist der Fuß länger als im Sitzen, weshalb eine Messung im Sitzen regelmäßig zu kleine Werte liefert.

  • Schritt 1: Papier an die Wand legen, Socken tragen, die später auch im Schuh sind
  • Schritt 2: Mit der Ferse an der Wand aufstellen, Gewicht gleichmäßig verteilen
  • Schritt 3: Am längsten Zeh einen Strich senkrecht zum Papier ziehen
  • Schritt 4: Abstand von der Papierkante bis zum Strich in Millimetern messen
  • Schritt 5: Beide Füße messen, der größere Wert zählt

Der längste Zeh ist nicht bei jedem Menschen der große. Etwa jeder fünfte hat einen längeren zweiten Zeh, was beim Anzeichnen zu berücksichtigen ist. Am zuverlässigsten arbeitet man zu zweit, weil sich der Strich im Stehen selbst nur schwer sauber setzen lässt. Ein Unterschied von fünf Millimetern zwischen beiden Füßen ist völlig normal und bedeutet lediglich, dass sich die Größe nach dem längeren Fuß richtet. Ein Ausgleich im kleineren Schuh gelingt später mit einer dünnen Einlegesohle. Solche Sohlen kosten wenige Euro und sind in jedem Schuhgeschäft erhältlich.

Von der Fußlänge zur Größe

Zur gemessenen Fußlänge kommt eine Zugabe, damit der Fuß beim Abrollen Platz hat. Üblich sind zehn bis fünfzehn Millimeter bei Erwachsenen, bei Kindern empfiehlt das Deutsche Schuhinstitut je nach Größe neun bis fünfzehn Millimeter. Erst die Summe aus Fußlänge und Zugabe wird in eine Größe umgerechnet. Ein Fuß von 260 Millimetern braucht also einen Schuh für etwa 272 Millimeter Innenlänge, was rechnerisch bei Größe 41 liegt. Die Umrechnung erfolgt über den Faktor zwei Drittel Zentimeter je Größe. Halbe Größen bilden entsprechend Schritte von etwa drei Millimetern ab.

Fußlänge Mit Zugabe Rechnerische EU-Größe
230 mm 242 mm 36 bis 37
240 mm 252 mm 38
250 mm 262 mm 39 bis 40
260 mm 272 mm 41
270 mm 282 mm 42 bis 43
280 mm 292 mm 44

Diese Werte sind Richtgrößen und keine verbindliche Umrechnung, weil jede Marke ihre eigenen Leisten verwendet. Sinnvoll ist es deshalb, die eigene Fußlänge zu notieren und beim Onlinekauf mit der Größentabelle des jeweiligen Herstellers abzugleichen. Viele Anbieter geben die Innenlänge inzwischen direkt an. Eine notierte Fußlänge ist im Alltag hilfreicher als eine gemerkte Schuhgröße, weil sie sich auf jede Tabelle anwenden lässt. Ähnlich funktioniert das beim Ratgeber Inch-Größe umrechnen.

Die Weite als zweite Größe

Neben der Länge zählt die Breite des Fußes, die in Deutschland über das Weite-Maß-System erfasst wird. Unterschieden werden schmale, mittlere und breite Füße, gekennzeichnet mit den Buchstaben für schmal, mittel und weit. Ein zu schmaler Schuh drückt an den Ballen, ein zu weiter lässt den Fuß rutschen. Beide Fehler führen zu Druckstellen und langfristig zu Fehlstellungen, weshalb die Weite bei Problemen mindestens so wichtig ist wie die Länge. Viele Hersteller bieten inzwischen mehrere Weiten in derselben Länge an. Im Onlinehandel ist diese Angabe allerdings selten zu finden.

Bestimmt wird die Weite über den Ballenumfang, gemessen an der breitesten Stelle des Fußes mit einem Maßband. Der Wert wird zusammen mit der Fußlänge in eine Tabelle eingeordnet, die viele Hersteller online bereitstellen. Im Fachhandel übernimmt das ein Messgerät. Besonders bei Kinderschuhen lohnt sich die Beachtung der Weite, weil Kinderfüße weich sind und sich einem falschen Schuh anpassen, ohne dass ein Kind das bemerkt oder meldet. Beschwerden treten oft erst Jahre später auf.

Kinderfüße richtig messen

Bei Kindern ist die Messung wichtiger als bei Erwachsenen, weil ihre Füße formbar sind und Schmerzen selten gemeldet werden. Kinder passen sich dem Schuh an, nicht umgekehrt. Empfohlen wird eine Kontrolle alle zwei bis drei Monate im Wachstumsalter, weil ein Kinderfuß in dieser Zeit um eine Größe zulegen kann. Der Daumendruck auf die Schuhspitze gilt als unzuverlässig, weil Kinder die Zehen bei Berührung reflexartig einziehen. Die Schablonenmethode liefert dagegen ein eindeutiges Ergebnis.

Bewährt hat sich eine selbst gebastelte Schablone: Der Fuß wird auf feste Pappe gestellt, umrandet und ausgeschnitten, wobei die Zugabe direkt eingerechnet wird. Diese Schablone kommt beim Kauf in den Schuh und zeigt sofort, ob genug Platz ist. Damit lässt sich auch ohne das Kind ein Paar Schuhe kaufen, was den Einkauf erheblich entspannt. Weitere Hinweise zum Schulstart sammelt der Ratgeber Schultüte basteln. Die Schablone gehört bei jedem Wachstumsschub neu angefertigt.

Zu Hause sollten Kinder möglichst viel barfuß laufen, weil das die Muskulatur des Fußes kräftigt und die Entwicklung des Gewölbes unterstützt. Hausschuhe mit fester Sohle sind dafür ungeeignet, ebenso weitergegebene Schuhe von Geschwistern. Getragene Schuhe haben sich an einen anderen Fuß angepasst und übertragen dessen Abrollmuster, was die Entwicklung des zweiten Kindes ungünstig beeinflussen kann. Ausnahmen sind kaum getragene Paare, etwa aus einer sehr kurzen Wachstumsphase. Bei sichtbar abgelaufener Sohle gehört ein Schuh dagegen in den Altkleidersack.

Häufige Fehler beim Schuhkauf

Der bekannteste Fehler ist der Kauf am Vormittag, wenn die Füße noch nicht angeschwollen sind. Dicht dahinter folgt die Anprobe im Sitzen: Erst im Stehen und beim Gehen zeigt sich, ob der Fuß tatsächlich Platz hat und die Ferse hält. Drei Minuten Probelaufen im Geschäft sind das Minimum. Ein Schuh, der beim Kauf drückt, wird sich nicht mehr geben, denn moderne Materialien dehnen sich anders als das Leder früherer Jahrzehnte und passen sich kaum noch an. Ein Einlaufen im Sinne früherer Generationen findet praktisch nicht mehr statt.

Ein zweiter Punkt betrifft die Socken. Gemessen und anprobiert wird mit den Strümpfen, die später tatsächlich getragen werden, weil dicke Wintersocken schnell eine halbe Größe ausmachen. Bei Wanderschuhen und Sportschuhen fällt dieser Unterschied besonders deutlich aus. Auch vorhandene Einlagen gehören zur Anprobe mitgebracht, weil sie den Innenraum verkleinern und eine passende Größe unter Umständen zu eng erscheinen lassen. Herausnehmbare Innensohlen lassen sich zum Vergleich auf den eigenen Fuß legen.

Der dritte Fehler ist die Orientierung an der gewohnten Nummer statt am tatsächlichen Fuß. Viele Menschen kaufen jahrzehntelang dieselbe Größe, obwohl sich ihre Füße längst verändert haben. Ein kurzes Nachmessen alle paar Jahre kostet fünf Minuten. Schmerzen und Druckstellen sind fast immer ein Größenproblem, seltener eine Frage der Qualität, weshalb sich der Blick zuerst auf die Länge und die Weite richten sollte. Erst danach lohnt es sich, über Modell und Material nachzudenken. Ein gut passender einfacher Schuh schlägt jeden teuren in falscher Größe.

Schuhgrößen in anderen Ländern

Wer online im Ausland bestellt, trifft auf mindestens drei verschiedene Systeme. Die britische Größe zählt in Drittelzoll und beginnt bei einer anderen Nulllinie, die amerikanische unterscheidet zusätzlich zwischen Damen und Herren mit unterschiedlichen Skalen. Japanische Angaben wiederum nennen schlicht die Fußlänge in Zentimetern. Die japanische Variante ist damit die einzige unmittelbar verständliche, weil sie ohne Umrechnung auskommt und direkt auf den gemessenen Wert passt. Auch die Zugabe ist dort bereits im Schuh berücksichtigt, sodass der reine Fußwert genügt.

Für die Umrechnung gilt als grobe Orientierung: Von der europäischen zur britischen Größe werden etwa eineinhalb Nummern abgezogen, zur amerikanischen Herrengröße etwa dreiunddreißig subtrahiert. Diese Werte sind allerdings nur Näherungen und schwanken je nach Marke. Sicherer ist auch hier der Abgleich der Innenlänge in Millimetern, den seriöse Anbieter in ihren Größentabellen ausweisen und der jede Umrechnung überflüssig macht. Wie ähnliche Umrechnungen im Alltag funktionieren, zeigt der Ratgeber Beininnenlänge messen.

Häufige Fragen zum Messen der Schuhgröße

Wie viel Zugabe braucht ein Schuh?

Bei Erwachsenen gelten zehn bis fünfzehn Millimeter als üblich, bei Kindern je nach Größe neun bis fünfzehn Millimeter nach Empfehlung des Deutschen Schuhinstituts. Diese Zugabe ist kein Puffer für später, sie wird beim Abrollen tatsächlich gebraucht. Mehr als zwanzig Millimeter Zugabe sind ungünstig, weil der Fuß dann im Schuh rutscht und die Zehen bei jedem Schritt gegen die Spitze stoßen.

Warum passen mir Schuhe verschiedener Marken unterschiedlich?

Weil jede Marke eigene Leisten verwendet und die Zugabe unterschiedlich einrechnet. Die Größenangabe bezieht sich auf den Leisten und nicht auf den Fuß, wodurch bei identischer Nummer bis zu zwei Größen Unterschied entstehen können. Die Innenlänge in Millimetern ist der einzige verlässliche Vergleichswert, den inzwischen viele Anbieter in ihren Tabellen ausweisen.

Zu welcher Tageszeit sollte ich messen?

Am späten Nachmittag oder Abend, weil Füße im Tagesverlauf anschwellen und dann ihre maximale Größe erreichen. Eine Messung am Morgen liefert regelmäßig zu kleine Werte, was zu drückenden Schuhen führt. Dasselbe gilt für die Anprobe im Geschäft, weshalb sich der Schuhkauf besser auf den Abend legen lässt als auf den Vormittag am Wochenende.

Muss ich beide Füße messen?

Ja, denn bei den meisten Menschen sind beide Füße unterschiedlich lang. Abweichungen von bis zu einem halben Zentimeter kommen häufig vor und sind unbedenklich. Für die Größenwahl zählt immer der längere Fuß. Bei größeren Unterschieden hilft eine dünne Einlage im kleineren Schuh, die den Halt verbessert, ohne die Länge zu verändern.

Wie oft sollte ich die Größe neu bestimmen?

Bei Erwachsenen alle zwei bis drei Jahre, bei Kindern im Wachstumsalter alle zwei bis drei Monate. Anlässe für eine Zwischenmessung sind Schwangerschaften, deutliche Gewichtsveränderungen und neue Beschwerden beim Gehen. Auch nach längerer Erkrankung mit Bewegungsmangel lohnt eine Kontrolle, weil sich Muskulatur und Fußgewölbe in solchen Phasen verändern können.

Fazit zum Messen der Schuhgröße

Die verlässliche Grundlage ist die Fußlänge in Millimetern, gemessen im Stehen, am Abend und an beiden Füßen. Dazu kommt eine Zugabe von zehn bis fünfzehn Millimetern, aus der sich die passende Innenlänge ergibt. Diese Innenlänge lässt sich anschließend mit jeder Herstellertabelle abgleichen. Eine notierte Fußlänge nützt im Alltag mehr als eine gemerkte Schuhgröße, weil letztere zwischen Marken um bis zu zwei Nummern schwankt. Ein Eintrag im Handy erspart das Nachmessen vor jeder Bestellung. Sinnvoll ist es, dort neben dem Wert auch das Datum der Messung zu vermerken.

Bei Kindern kommt es zusätzlich auf regelmäßige Kontrollen an, weil weiche Füße sich einem zu kleinen Schuh anpassen, ohne dass Beschwerden auftreten. Eine Pappschablone mit eingerechneter Zugabe macht den Kauf einfach und zuverlässig. Hinweise zum Messen von Kinderfüßen stellt das Weite-Maß-System des Deutschen Schuhinstituts bereit, Grundlagen zum Aufbau des Fußes erklärt Gesundheitsinformation.de. Beide Angebote sind frei zugänglich und fachlich geprüft. Ein Blick dorthin lohnt sich besonders vor dem ersten Paar für ein Kind.

Maria Lengemann

Maria Lengemann schreibt seit rund zwei Jahrzehnten beruflich. Angefangen hat sie als Gaming-Journalistin, heute arbeitet sie als Ghostwriterin, Romanautorin und ist zudem Marketing-Managerin und KI-Expertin. Mit ihrer Familie lebt sie in der Oberpfalz.

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